Weizengras: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

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Botanik und Beschreibung

Als Weizengras bezeichnet man die jungen, grünen Blätter des Saatweizens (Triticum aestivum L.) aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Geerntet wird das Gras im frühen Wachstumsstadium, meist ein bis zwei Wochen nach der Keimung bei Anzucht in Schalen beziehungsweise vor dem Schossen auf dem Feld – also lange bevor die Pflanze Halme streckt, Ähren bildet und Körner ansetzt. In diesem Stadium ist das Gras zart, saftig und intensiv grün.

Weizengras wird auf zwei Wegen gewonnen: Für den Hausgebrauch und für Saftbars werden Weizenkörner in Schalen angekeimt und das Gras nach ein bis zwei Wochen geschnitten und frisch entsaftet. Für Pulver und Kapseln wird Weizengras überwiegend im Freiland angebaut, geschnitten, schonend getrocknet und vermahlen. Der Geschmack ist grasig-herb, leicht süßlich und erinnert an frisch gemähte Wiese. Ein naher Verwandter mit sehr ähnlicher Zusammensetzung und Verwendung ist das Gerstengras.

Inhaltsstoffe

Weizengras enthält viele Nährstoffe, die für grünes Blattgemüse typisch sind. Die Zusammensetzung schwankt stark je nach Anbau, Erntezeitpunkt und Verarbeitung:

  • Chlorophyll: der grüne Blattfarbstoff, der Weizengras seine Farbe gibt.
  • Vitamine: Provitamin A (Beta-Carotin), Vitamin C, Vitamin E, Folsäure und besonders Vitamin K.
  • Mineralstoffe: unter anderem Eisen, Calcium, Magnesium und Kalium.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Flavonoide und Phenolsäuren mit antioxidativen Eigenschaften.
  • Ballaststoffe (im Pulver, kaum im Saft), Aminosäuren und Enzyme.

Zur Einordnung: Eine übliche Tagesmenge von wenigen Gramm Pulver liefert von den meisten Nährstoffen nur einen kleinen Teil des Tagesbedarfs. Weizengras ergänzt eine ausgewogene Ernährung, ersetzt aber weder Gemüse noch Obst. Die oft betonten Enzyme werden größtenteils durch Trocknung, Lagerung und spätestens durch die Magensäure inaktiviert und haben für die eigene Verdauung keine nachgewiesene Bedeutung. Auch die verbreitete Aussage, Chlorophyll sei „flüssiges Blut“, weil es dem roten Blutfarbstoff ähnlich gebaut ist, führt in die Irre: Der Körper baut aus Chlorophyll kein Hämoglobin auf.

Ist Weizengras glutenfrei?

Gluten ist ein Speichereiweiß, das sich im Weizenkorn bildet – nicht in den Blättern. Weil Weizengras vor der Kornbildung geerntet wird, gilt das Gras selbst als glutenfrei. Bei der Ernte, Verarbeitung oder bei Anzucht aus Körnern können jedoch Samenreste oder Kornbestandteile ins Produkt gelangen. Menschen mit Zöliakie sollten deshalb nur Erzeugnisse verwenden, die ausdrücklich als glutenfrei gekennzeichnet sind; diese Kennzeichnung ist in der EU an einen Grenzwert von höchstens 20 mg Gluten je Kilogramm gebunden.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Entgiftung – in der Naturheilkunde zur Unterstützung von Leber und Nieren beliebt; wissenschaftliche Belege für eine entgiftende Wirkung gibt es nicht.
  • Immunsystemstärkung – als nährstoffreiches Grünpulver zur Unterstützung der Abwehrkräfte verwendet; dass Weizengras Infektionen oder Erkältungen verhindert, ist nicht belegt.
  • Verdauungsbeschwerden – volksmedizinisch bei Blähungen, Verstopfung und Magenkrämpfen genannt; als Pulver liefert es etwas Ballaststoffe, kann zu Beginn aber auch Blähungen verursachen.
  • Entzündliche Darmerkrankung – eine kleine, placebokontrollierte Studie gibt erste Hinweise auf einen Nutzen von Weizengrassaft bei Colitis ulcerosa.
  • Blutfettwerte – in einer kleinen randomisierten Studie sanken Gesamtcholesterin und Triglyceride leicht.
  • Müdigkeit – traditionell als belebendes Grüngetränk geschätzt; anhaltende Müdigkeit sollte ärztlich abgeklärt werden.
  • Hautgesundheit – antioxidative Eigenschaften im Labor; eine Wirkung bei Akne, Ekzemen oder Wunden ist am Menschen nicht belegt.

Welche Wirkung hat Weizengras – was sagt die Forschung?

Weizengras ist im Labor und in Tierversuchen recht gut untersucht; dort zeigen Extrakte antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Am Menschen ist die Datenlage dagegen schmal. Eine Übersichtsarbeit israelischer Onkologen und Komplementärmediziner (Bar-Sela und Kollegen, 2015) kommt zu dem Schluss, dass die bisherigen klinischen Studien durchweg klein waren und methodische Schwächen hatten. Bevor Empfehlungen für die Allgemeinheit möglich sind, müssten die beobachteten Vorteile in größeren Studien bestätigt werden.

Weizengras bei Colitis ulcerosa

In einer randomisierten, doppelblinden Studie aus Israel (Ben-Arye und Kollegen, 2002) tranken 23 Menschen mit aktiver Colitis ulcerosa im Enddarm einen Monat lang täglich 100 Milliliter frischen Weizengrassaft oder ein Placebo. In der Weizengrasgruppe gingen die Krankheitsaktivität und die Darmblutungen deutlich stärker zurück. Das ist ein interessanter Befund, wegen der sehr kleinen Teilnehmerzahl aber kein Beleg. Eine entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn gehört in fachärztliche Behandlung; Weizengras kann höchstens nach Absprache ergänzend eingesetzt werden.

Blutfette und weitere Studien

In einer randomisierten Studie aus Indien (Kumar und Iyer, 2017) nahmen 29 Frauen mit erhöhten Blutfetten zehn Wochen lang täglich 3,5 Gramm gefriergetrocknetes Weizengraspulver ein; eine Kontrollgruppe erhielt nichts. Gesamtcholesterin, Triglyceride und Apolipoprotein B sanken leicht, gleichzeitig ging aber auch das „gute“ HDL-Cholesterin etwas zurück. Weitere kleine Untersuchungen betrafen Weizengrassaft als Begleitung einer Chemotherapie sowie bei Bluterkrankungen. Sie sind für eine Empfehlung zu klein und ersetzen keinesfalls die ärztliche Therapie.

Kann Weizengras beim Abnehmen helfen?

Weizengras ist kalorienarm und kann Teil einer gemüsereichen Ernährung sein. Eine eigenständige Wirkung auf das Körpergewicht ist nicht belegt. Entscheidend beim Abnehmen bleiben Ernährung und Bewegung insgesamt.

Anwendung und Dosierung

  • Pulver: Üblich sind etwa 3 bis 5 Gramm (rund ein Teelöffel) täglich, eingerührt in Wasser, Saft, Smoothie oder Joghurt. Mit einer kleinen Menge beginnen und langsam steigern, damit sich der Darm gewöhnt. Bei Fertigprodukten die Angaben auf der Packung beachten.
  • Frischer Saft: Selbst gezogenes Weizengras wird mit einem langsam laufenden Entsafter gepresst. Üblich sind kleine Portionen von etwa 30 bis 60 Millilitern; der Saft sollte frisch getrunken werden. Viele Menschen empfinden ihn pur als schwer verträglich und mischen ihn mit Apfel- oder Karottensaft.
  • Kapseln und Tabletten: praktisch für unterwegs, enthalten aber meist nur geringe Mengen. Dosierung nach Packungsangabe.
  • Hygiene bei der Anzucht: In feuchten Anzuchtschalen bilden sich leicht Schimmel und Keime. Schalen sauber halten, gut lüften und verschimmelte Kulturen vollständig verwerfen.
  • Äußerlich: Die Anwendung von Weizengrassaft auf der Haut ist überliefert, aber nicht untersucht; bei offenen Wunden nicht empfohlen.

Weizengras in Drogerie und Reformhaus

Im Handel findet sich Weizengras vor allem als Pulver, als Presslinge und in Kapseln, seltener als tiefgekühlter Saft. Bio-Qualität bedeutet, dass beim Anbau keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden. Pulver lichtgeschützt, trocken und gut verschlossen lagern, da Chlorophyll und Vitamine durch Licht, Luft und Feuchtigkeit abgebaut werden.

Geschichte und Überlieferungen

Häufig wird behauptet, schon die alten Ägypter hätten Weizengras verehrt oder die traditionelle chinesische Medizin habe es seit jeher genutzt. Für diese Erzählungen gibt es keine verlässlichen Belege. Gut dokumentiert ist dagegen die jüngere Geschichte: In den 1930er-Jahren untersuchte der amerikanische Agrarchemiker Charles Schnabel junge Getreidegräser als Futterzusatz und berichtete über bessere Gesundheit und Legeleistung bei Hühnern. Er setzte sich dafür ein, getrocknetes Getreidegras auch als Nahrungsergänzung für Menschen zu verwenden; in den USA kamen erste Grünpulver aus Getreidegras in den Handel.

Bekannt wurde frischer Weizengrassaft vor allem durch die Gesundheitsaktivistin Ann Wigmore, die ihn ab der Mitte des 20. Jahrhunderts in Boston im Rahmen ihrer Rohkostlehre propagierte. Viele der weitreichenden Heilversprechen, die bis heute kursieren, stammen aus dieser Bewegung und wurden nie wissenschaftlich bestätigt. Seit den 2000er-Jahren erlebt Weizengras im Zuge des Interesses an grünen Pulvern und Smoothies einen neuen Aufschwung, gemeinsam mit Spirulina und Chlorella.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Magen-Darm-Beschwerden: Vor allem frischer Saft kann Übelkeit auslösen, Pulver anfangs Blähungen oder Durchfall. Mit kleinen Mengen beginnen.
  • Zöliakie und Weizenallergie: Bei Zöliakie nur ausdrücklich als glutenfrei gekennzeichnete Produkte verwenden. Bei Weizenallergie oder Gräserpollenallergie sind allergische Reaktionen möglich; bei Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen oder Atembeschwerden sofort absetzen und ärztliche Hilfe suchen.
  • Blutgerinnungshemmer: Weizengras enthält Vitamin K. Wer Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin einnimmt, sollte Weizengras nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt und in gleichbleibender Menge verwenden, da schwankende Vitamin-K-Zufuhr die Gerinnungswerte beeinflussen kann.
  • Nierenerkrankungen: Wegen des Kaliumgehalts sollten Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion konzentrierte Grünpulver vorher ärztlich abklären.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Für Weizengras als Nahrungsergänzung liegen keine ausreichenden Daten vor. Frischer, roher Saft aus eigener Anzucht ist wegen möglicher Keimbelastung in dieser Zeit ungeeignet; Pulver und Kapseln nur nach Rücksprache verwenden.
  • Kinder: Für Kinder sind Weizengraspräparate nicht notwendig; Gemüse und Obst sind die bessere Wahl.
  • Schwere Erkrankungen: Bei Krebs, entzündlichen Darmerkrankungen oder Bluterkrankungen Weizengras nur in Absprache mit dem Behandlungsteam einsetzen und nie als Ersatz für die Therapie.

Regulatorische Einordnung in der EU

Weizengras ist in der EU ein Lebensmittel beziehungsweise Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln. Es gibt keine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und keine für Weizengras selbst zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Aussagen über Wirkungen auf der Packung dürfen sich nur auf zugelassene Angaben zu enthaltenen Vitaminen oder Mineralstoffen in ausreichender Menge stützen.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Wie wird Weizengras am besten konsumiert?
    Weizengras kann als Saft, Pulver oder Ergänzungsmittel eingenommen werden. Die Wahl hängt von persönlichen Vorlieben ab.
  2. Welche Vitamine und Mineralien sind in Weizengras enthalten?
    Weizengras enthält unter anderem Beta-Carotin (Provitamin A), Vitamin C, Vitamin E, Folsäure und besonders Vitamin K sowie Eisen, Calcium, Magnesium und Kalium. Die Gehalte schwanken je nach Anbau und Verarbeitung; eine übliche Tagesmenge von wenigen Gramm Pulver deckt nur einen kleinen Teil des Tagesbedarfs.
  3. Kann Weizengras bei der Gewichtsabnahme helfen?
    Weizengras ist kalorienarm und kann Teil einer gemüsereichen Ernährung sein. Eine eigenständige Wirkung auf das Körpergewicht ist jedoch nicht belegt; entscheidend bleiben Ernährung und Bewegung insgesamt.
  4. Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?
    Weizengras enthält Vitamin K. Wer blutgerinnungshemmende Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin einnimmt, sollte Weizengras nur nach ärztlicher Rücksprache und in gleichbleibender Menge verwenden. Auch bei Nierenerkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist eine Abklärung sinnvoll.
  5. Kann Weizengras Allergien auslösen?
    Ja, das ist selten, aber möglich – vor allem bei Weizenallergie oder Gräserpollenallergie. Bei Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen oder Atembeschwerden die Einnahme sofort beenden und ärztliche Hilfe suchen.
  6. Ist Weizengras glutenfrei?
    Gluten steckt im Weizenkorn, nicht im jungen Gras, das vor der Kornbildung geerntet wird. Weizengras gilt daher als glutenfrei, bei der Ernte können jedoch Spuren aus Körnern hineingelangen. Menschen mit Zöliakie sollten nur Produkte verwenden, die ausdrücklich als glutenfrei geprüft sind.
  7. Welche Wirkung hat Weizengras?
    Weizengras wird vor allem wegen Chlorophyll, Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien geschätzt. Viele zugeschriebene Wirkungen wie Entgiftung beruhen auf Erfahrungsberichten, kontrollierte Studien am Menschen gibt es nur wenige. Als Ergänzung einer ausgewogenen Ernährung ist es gut geeignet.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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