Roter Reis (Rotschimmelreis): Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Roter Reis Lexikon Bild

Auf einen Blick: Roter Reis meint auf dieser Seite Rotschimmelreis (Red Yeast Rice): Reis, der mit dem Pilz Monascus purpureus fermentiert wurde. Sein wichtigster Wirkstoff Monacolin K ist chemisch identisch mit dem Cholesterinsenker Lovastatin und senkt das LDL-Cholesterin; er wirkt daher wie ein niedrig dosiertes Statin.

Gemeint ist Rotschimmelreis (Red Yeast Rice, Hong Qu), nicht rote Reissorten wie Camargue-Reis
Herstellung Gekochter Reis wird mit Monascus-Pilzen, vor allem Monascus purpureus, fermentiert, getrocknet und meist vermahlen
Wichtigster Wirkstoff Monacolin K (in Lactonform identisch mit Lovastatin)
Weitere Inhaltsstoffe Monascus-Farbstoffe, Sterole, Isoflavone, ungesättigte Fettsäuren
Darreichung Kapseln und Tabletten als Nahrungsergänzung
EU-Höchstmenge Weniger als 3 mg Monacoline je Tagesportion (Verordnung (EU) 2022/860)
Nicht geeignet Schwangere, Stillende, unter 18 und über 70 Jahren, zusammen mit Statinen
Ärztlicher Rat Bei Muskelschmerzen, dunklem Urin, Gelbfärbung der Haut oder starker Müdigkeit Einnahme beenden und abklären lassen

Herkunft und Beschreibung

Mit Rotem Reis ist auf dieser Seite der Rotschimmelreis gemeint (englisch red yeast rice, chinesisch Hong Qu). Er entsteht, wenn gekochter Reis mit Schimmelpilzen der Gattung Monascus, vor allem Monascus purpureus, fermentiert wird. Der Pilz durchwächst die Reiskörner und färbt sie tief rot bis purpurn. Danach wird der Reis getrocknet und meist zu Pulver vermahlen.

Rotschimmelreis ist nicht zu verwechseln mit roten Reissorten wie dem Camargue-Reis. Diese sind gewöhnliche Vollkornreis-Sorten mit rot gefärbter Schale, werden wie Naturreis gekocht und enthalten keine Monacoline. Die in Drogerien und Apotheken angebotenen Kapseln und Tabletten enthalten dagegen immer Rotschimmelreis bzw. Extrakte daraus.

In China und anderen Ländern Ostasiens wird Rotschimmelreis seit Jahrhunderten als Lebensmittelfarbstoff und Würzmittel verwendet, etwa zum Färben von Fleisch, Fisch und fermentiertem Tofu oder zur Herstellung von Reiswein. Die traditionelle chinesische Heilkunde nutzt ihn zur Förderung der Verdauung und zur Anregung des Blutkreislaufs.

Inhaltsstoffe

  • Monacoline: Die wichtigste Wirkstoffgruppe. Mengenmäßig führend ist Monacolin K, das in seiner Lactonform chemisch identisch mit dem Arzneistoff Lovastatin ist – einem Cholesterinsenker aus der Gruppe der Statine. Daneben kommen weitere Monacoline vor, deren Sicherheit nicht ausreichend untersucht ist.
  • Monascus-Farbstoffe: Rote, orange und gelbe Pigmente (etwa Monascorubrin, Rubropunctatin, Monascin und Ankaflavin), die dem Reis seine Farbe geben.
  • Sterole, Isoflavone und ungesättigte Fettsäuren werden in Analysen ebenfalls genannt; ihr Beitrag zur Wirkung gilt im Vergleich zu den Monacolinen als gering.
  • Citrinin: Ein Pilzgift (Mykotoxin), das bei der Fermentation entstehen kann und nierenschädigend wirkt. Die EU hat den zulässigen Höchstgehalt in Nahrungsergänzungsmitteln aus Rotschimmelreis 2019 auf 100 Mikrogramm je Kilogramm gesenkt.

Der Gehalt an Monacolinen schwankt je nach Pilzstamm und Herstellung erheblich. Untersuchungen von Handelsprodukten haben immer wieder große Unterschiede zwischen deklariertem und tatsächlichem Gehalt gezeigt.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • LDL-Cholesterin: Belegt ist eine Senkung des LDL-Cholesterins durch Monacolin K; Übersichtsarbeiten berichten von rund 15 bis 25 Prozent innerhalb von sechs bis acht Wochen, abhängig von der Dosis. Mehr dazu: Cholesterin natürlich senken.
  • Herz und Gefäße: Durch die Cholesterinsenkung wird ein Beitrag zur Vorbeugung von Arteriosklerose und anderen Herzkrankheiten diskutiert; für die Herzgesundheit fehlen aber große Langzeitstudien mit europäischen Präparaten.
  • Durchblutung: In der traditionellen chinesischen Heilkunde zur Anregung des Kreislaufs verwendet; eine Wirkung bei Durchblutungsstörungen ist nicht belegt.
  • Verdauung: Traditionell in China zur Förderung der Verdauung genutzt; für Verdauungsbeschwerden oder die Darmgesundheit gibt es keine wissenschaftliche Bestätigung.
  • Leber und Entzündungen: Behauptungen zur Unterstützung der Leberfunktion oder einer entzündungshemmenden Wirkung sind beim Menschen nicht belegt. Im Gegenteil: Wie Statine kann Rotschimmelreis die Leberwerte erhöhen.

Wie wirkt Roter Reis auf das Cholesterin?

Monacolin K hemmt in der Leber das Enzym HMG-CoA-Reduktase, einen Schlüsselschritt der körpereigenen Cholesterinbildung. Die Leber nimmt daraufhin mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut auf – derselbe Mechanismus wie bei Statin-Medikamenten. Rotschimmelreis ist deshalb keine „sanfte Alternative“ zu Statinen, sondern wirkt wie ein niedrig dosiertes Statin, allerdings ohne die gleichbleibende Qualität und ärztliche Kontrolle eines Arzneimittels.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigte 2011 einen Zusammenhang zwischen 10 mg Monacolin K täglich und der Erhaltung eines normalen LDL-Cholesterinspiegels. Eine randomisierte Studie von Heinz und Kollegen (2016) zeigte auch mit 3 mg Monacolin K pro Tag, kombiniert mit Folsäure, nach zwölf Wochen eine LDL-Senkung um rund 15 Prozent gegenüber dem Ausgangswert.

Für wen kommt Roter Reis in Frage?

Fachleute sehen Rotschimmelreis allenfalls bei leicht erhöhtem Cholesterin ohne weitere Risikofaktoren und ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung als Möglichkeit – und dann nur in Absprache mit dem Arzt, der die Blutwerte kontrolliert. Wer nach einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder mit Diabetes ein hohes Risiko hat, braucht eine ärztlich gesteuerte Therapie.

Anwendung und Dosierung

  • Höchstmenge: Seit 2022 dürfen Nahrungsergänzungsmittel in der EU je Tagesportion nur weniger als 3 mg Monacoline aus Rotschimmelreis enthalten. Eine Tagesmenge von 3 mg oder mehr darf nicht verzehrt werden.
  • Nicht kombinieren: Nicht mehrere Produkte mit Rotschimmelreis gleichzeitig einnehmen.
  • Blutwerte kontrollieren: Sinnvoll ist eine Bestimmung der Blutfette vor Beginn und nach einigen Wochen; bei längerer Einnahme auch der Leberwerte und – bei Muskelbeschwerden – der Muskelenzyme (CK).
  • Lebensstil: Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn, wenig gesättigten Fetten, regelmäßige Bewegung und Nichtrauchen bleiben die Grundlage jeder Cholesterinsenkung.
  • In der Küche: Als Farb- und Würzmittel wird Rotschimmelreis in Ostasien nur in kleinen Mengen verwendet; als Beilage wie gewöhnlicher Reis ist er nicht gedacht.

Geschichte und Überlieferungen

Die Herstellung von Rotschimmelreis ist in China seit vielen Jahrhunderten bekannt. Er diente zum Färben und Haltbarmachen von Speisen und zur Bereitung von Reiswein. Auch in den Arzneibüchern der chinesischen Heilkunde wird er beschrieben, unter anderem zur Förderung der Verdauung und zur Anregung des Blutkreislaufs.

Die moderne Geschichte beginnt in den 1970er-Jahren: Der japanische Biochemiker Akira Endo suchte in Pilzen nach Stoffen, die die Cholesterinbildung hemmen, und fand die ersten Vertreter der späteren Statine. Kurz darauf wurde aus Monascus-Pilzen Monacolin K isoliert, das sich als identisch mit dem aus einem anderen Schimmelpilz gewonnenen Lovastatin erwies. Lovastatin wurde in den 1980er-Jahren als eines der ersten Statine zugelassen. Später kamen Rotschimmelreis-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt, was wegen ihrer arzneimittelähnlichen Wirkung von Behörden in mehreren europäischen Ländern kritisch bewertet wurde und schließlich zu den heutigen EU-Beschränkungen führte.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Schwangerschaft und Stillzeit: Nicht einnehmen. Statine und damit auch Monacolin K sind in dieser Zeit nicht geeignet.
  • Kinder, Jugendliche und ältere Menschen: Laut EU-Vorgabe nicht für Personen unter 18 und über 70 Jahren.
  • Cholesterinsenkende Medikamente: Nicht zusätzlich zu Statinen oder anderen Cholesterinsenkern einnehmen.
  • Nebenwirkungen: Das Nebenwirkungsprofil entspricht dem von Lovastatin. Am häufigsten betroffen sind Muskeln (Schmerzen, Schwäche, im schweren Fall Muskelzerfall), dann Leber, Nervensystem, Magen-Darm-Trakt und Haut. Die EFSA verweist auf Einzelfälle schwerer Nebenwirkungen schon bei 3 mg täglich. Bei unklaren Muskelschmerzen, dunklem Urin, Gelbfärbung der Haut oder starker Müdigkeit die Einnahme beenden und ärztlich abklären.
  • Wechselwirkungen: Arzneimittel und Lebensmittel, die den Abbau von Lovastatin in der Leber hemmen, erhöhen das Risiko für Muskelschäden – etwa bestimmte Antibiotika (Makrolide), Pilzmittel (Azole), HIV-Medikamente, Ciclosporin, Fibrate sowie größere Mengen Grapefruitsaft. Vor der Einnahme Medikamente mit Arzt oder Apotheke abstimmen.
  • Vorerkrankungen: Bei Leber-, Nieren- oder Muskelerkrankungen sowie regelmäßigem Alkoholkonsum nicht ohne ärztlichen Rat anwenden.
  • Coenzym Q10: Wie Statine kann Monacolin K die körpereigene Bildung von Coenzym Q10 verringern; ob eine Ergänzung Muskelbeschwerden vorbeugt, ist nicht gesichert.

Regulatorische Einordnung in der EU

Mit der Verordnung (EU) 2022/860 hat die Europäische Kommission Monacoline aus Rotschimmelreis als Stoffe mit eingeschränkter Verwendung eingestuft. Eine Tagesportion muss weniger als 3 mg Monacoline enthalten, der Gehalt ist anzugeben, und Warnhinweise sind Pflicht: nicht für Schwangere und Stillende, nicht unter 18 und über 70 Jahren, nicht zusammen mit cholesterinsenkenden Mitteln oder anderen Rotschimmelreis-Produkten. Gleichzeitig steht der Stoff unter weiterer Prüfung der EU. Die Grundlage dafür war ein Gutachten der EFSA aus dem Jahr 2018, das keine sichere Aufnahmemenge festlegen konnte. Der 2011 positiv bewertete Zusammenhang mit dem Cholesterinspiegel setzte 10 mg Monacolin K täglich voraus – eine Menge, die in Nahrungsergänzungsmitteln heute nicht mehr erlaubt ist.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Wie bereite ich Roten Reis zu?
    Das hängt davon ab, was gemeint ist. Rote Reissorten wie Camargue-Reis sind gewöhnlicher Vollkornreis und werden wie Naturreis gewaschen und gekocht. Rotschimmelreis, um den es auf dieser Seite geht, ist dagegen ein mit Monascus-Pilzen fermentierter Reis; er wird in Ostasien nur in kleinen Mengen zum Färben und Würzen verwendet und ist nicht als Beilage gedacht.
  2. Ist Roter Reis glutenfrei?
    Reis ist von Natur aus glutenfrei, das gilt auch für rote Reissorten und Rotschimmelreis. Bei Kapseln oder Tabletten hängt es von den Hilfsstoffen ab – im Zweifel die Zutatenliste prüfen.
  3. Kann Roter Reis den Blutzuckerspiegel beeinflussen?
    Eine blutzuckersenkende Wirkung von Rotschimmelreis ist nicht belegt. Rote Vollkornreis-Sorten enthalten wie andere Vollkornprodukte mehr Ballaststoffe als weißer Reis, was den Blutzuckeranstieg nach dem Essen etwas abflachen kann. Menschen mit Diabetes sollten Rotschimmelreis-Präparate nur in Absprache mit dem Arzt einnehmen.
  4. Gibt es wissenschaftliche Studien zu den gesundheitlichen Vorteilen von Rotem Reis?
    Ja. Zahlreiche Studien zeigen, dass Monacolin K aus Rotschimmelreis das LDL-Cholesterin senkt, ähnlich einem niedrig dosierten Statin. Die EFSA hat 2018 jedoch auf Fälle schwerer Nebenwirkungen hingewiesen und konnte keine sichere Aufnahmemenge festlegen. Für andere behauptete Wirkungen, etwa auf Leber, Verdauung oder Entzündungen, fehlen belastbare Studien am Menschen.
  5. Kann ich Roten Reis in meiner täglichen Ernährung verwenden?
    Rote Vollkornreis-Sorten können Sie wie anderen Reis regelmäßig essen. Rotschimmelreis-Präparate sind dagegen kein gewöhnliches Lebensmittel: Sie wirken wie ein niedrig dosiertes Statin, dürfen in der EU je Tagesportion weniger als 3 mg Monacoline enthalten und sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt und nicht zusammen mit anderen Rotschimmelreis-Produkten eingenommen werden.
  6. Welche Nebenwirkungen hat Roter Reis?
    Monacolin K aus Rotschimmelreis ist mit dem Arzneistoff Lovastatin identisch und kann daher ähnliche Nebenwirkungen verursachen, etwa Muskelschmerzen, Verdauungsbeschwerden, erhöhte Leberwerte oder Hautreaktionen. Die EU hat die zulässige Menge an Monacolinen in Nahrungsergänzungsmitteln deshalb 2022 auf weniger als 3 mg pro Tagesportion begrenzt. Nicht geeignet ist Rotschimmelreis in Schwangerschaft und Stillzeit, für Personen unter 18 und über 70 Jahren sowie zusammen mit cholesterinsenkenden Medikamenten; die Einnahme sollte ärztlich abgesprochen werden.
  7. Was sind Roter Reis Kapseln?
    Roter-Reis-Kapseln enthalten immer Rotschimmelreis bzw. Extrakte daraus, nicht gewöhnlichen roten Reis. In der EU darf eine Tagesportion in Nahrungsergänzungsmitteln weniger als 3 mg Monacoline enthalten; Warnhinweise sind Pflicht. Nicht mehrere Produkte mit Rotschimmelreis gleichzeitig einnehmen.
  8. Ist Roter Reis ein Cholesterinsenker?
    Ja, belegt ist eine Senkung des LDL-Cholesterins durch Monacolin K, das den Arzneistoff Lovastatin chemisch entspricht. Übersichtsarbeiten berichten von rund 15 bis 25 Prozent innerhalb von sechs bis acht Wochen, abhängig von der Dosis. Rotschimmelreis ist keine sanfte Alternative zu Statinen, sondern wirkt wie ein niedrig dosiertes Statin; Anwendung nur in Absprache mit dem Arzt.
  9. Für was ist Roter Reis gut?
    Belegt ist die Senkung des LDL-Cholesterins. In Ostasien wird Rotschimmelreis seit Jahrhunderten als Lebensmittelfarbstoff und Würzmittel genutzt, die traditionelle chinesische Heilkunde setzt ihn zur Förderung der Verdauung und Anregung des Kreislaufs ein. Für diese traditionellen Anwendungen gibt es keine wissenschaftliche Bestätigung.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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