Prostata: Entzündung, Vergrößerung, Untersuchung & was hilft

Was ist die Prostata?
Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist eine Drüse des männlichen Fortpflanzungssystems. Sie liegt unterhalb der Harnblase, umschließt den Anfangsteil der Harnröhre wie ein Ring und hat beim jungen Mann etwa die Größe einer Kastanie. Ihre Hauptaufgabe ist die Bildung des Prostatasekrets, das rund ein Viertel bis ein Drittel der Samenflüssigkeit ausmacht. Es enthält unter anderem Enzyme wie das prostataspezifische Antigen (PSA), die die Samenflüssigkeit verflüssigen und die Beweglichkeit der Spermien unterstützen. Die Muskulatur der Prostata ist außerdem am Samenerguss beteiligt.
Weil die Prostata die Harnröhre umgibt, wirken sich ihre Erkrankungen häufig auf das Wasserlassen aus. Drei Krankheitsbilder sind zu unterscheiden:
- Gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH): Die Drüse wächst mit zunehmendem Alter und kann die Harnröhre einengen. Sie ist bei älteren Männern sehr häufig und die häufigste Ursache von Beschwerden beim Wasserlassen.
- Prostataentzündung (Prostatitis): Sie kann akut durch Bakterien entstehen, chronisch bakteriell verlaufen oder – am häufigsten – als chronisches Beckenschmerzsyndrom auftreten, bei dem keine Erreger nachweisbar sind.
- Prostatakrebs: eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Im Frühstadium verursacht er meist keine Beschwerden, weshalb die Früherkennung eine besondere Rolle spielt.
Ursachen
- Alter und Hormone: Die gutartige Vergrößerung hängt eng mit dem Älterwerden und dem Hormon Dihydrotestosteron zusammen, das in der Prostata aus Testosteron gebildet wird. Auch Entzündungsprozesse im Gewebe werden als Mitursache diskutiert.
- Bakterien: Eine akute Prostatitis entsteht meist durch Darmbakterien, die über die Harnröhre aufsteigen, etwa im Rahmen eines Harnwegsinfekts. Auch nach Eingriffen wie einer Gewebeentnahme oder einem Katheter kann sie auftreten.
- Chronisches Beckenschmerzsyndrom: Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenspiel aus Entzündung, Verspannungen der Beckenbodenmuskulatur, Nervenreizung und psychischer Belastung.
- Risikofaktoren für Prostatakrebs: höheres Alter, Prostatakrebs bei Vater oder Bruder sowie bestimmte erbliche Genveränderungen.
- Begünstigende Faktoren: Übergewicht, Bewegungsmangel und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes werden mit stärkeren Beschwerden beim Wasserlassen in Verbindung gebracht.
Symptome
Bei gutartiger Prostatavergrößerung
- häufiger Harndrang, auch nachts,
- verzögerter Beginn und schwacher oder unterbrochener Harnstrahl,
- Nachträufeln und das Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können,
- plötzlicher, schwer aufschiebbarer Harndrang.
Bei Prostataentzündung
- Akut: Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen im Damm- und Unterbauchbereich, Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang – ein ernstes Krankheitsbild, das rasch ärztlich behandelt werden muss.
- Chronisch: wiederkehrende Schmerzen im Becken, Damm, in den Hoden oder beim Samenerguss, Beschwerden beim Wasserlassen, oft über Monate.
Prostatakrebs macht in frühen Stadien meist keine Beschwerden. Blut im Urin oder Sperma, Knochenschmerzen oder ungewollter Gewichtsverlust treten eher spät auf und müssen immer abgeklärt werden.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Sägepalme (Serenoa repens) – von der EMA als Arzneimittel zur Behandlung von Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrößerung eingestuft; neuere Studienübersichten zeigen allerdings nur einen geringen Nutzen.
- Kürbiskerne – traditionelles pflanzliches Arzneimittel (EMA) zur Linderung von Beschwerden beim Wasserlassen bei gutartiger Prostatavergrößerung oder Reizblase.
- Brennnesselwurzel – traditionelles pflanzliches Arzneimittel (EMA) bei Beschwerden beim Wasserlassen infolge einer gutartigen Prostatavergrößerung.
- Weidenröschen (Epilobium parviflorum) – traditionell als Tee bei Prostatabeschwerden; die EMA hat eine Monographie zur traditionellen Anwendung bei Beschwerden beim Wasserlassen infolge einer gutartigen Prostatavergrößerung veröffentlicht.
- Quercetin – Pflanzenfarbstoff aus der Gruppe der Flavonoide; bei chronischem Beckenschmerzsyndrom gibt es Hinweise aus kleinen Studien, die Datenlage ist schwach.
- L-Alanin – Aminosäure, die früher in Kombinationen mit anderen Aminosäuren bei Prostatabeschwerden eingesetzt wurde; ein Nutzen ist nicht ausreichend belegt.
Wie gut wirken pflanzliche Prostatamittel?
Pflanzliche Mittel kommen vor allem bei leichten bis mäßigen Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung infrage – und erst, nachdem eine ärztliche Untersuchung ernste Ursachen ausgeschlossen hat. Für die Sägepalme hat die EMA einen bestimmten Extrakt (Hexanextrakt, 320 Milligramm täglich) als Arzneimittel mit anerkannter Anwendung eingestuft. Eine aktualisierte Cochrane-Übersicht von Franco und Kollegen aus dem Jahr 2024 mit 27 Studien und über 4.600 Teilnehmern kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Sägepalme allein die Beschwerden kaum stärker lindert als ein Scheinmedikament. Die Einstufungen für Kürbissamen, Brennnesselwurzel und Weidenröschen beruhen auf langjähriger Anwendung („traditional use“). Die Pflanzen verkleinern die Prostata nicht und schützen nicht vor Prostatakrebs. Gegen eine akute bakterielle Prostatitis helfen sie nicht – hier sind Antibiotika nötig.
Was Sie selbst tun können
- Trinkverhalten anpassen: über den Tag verteilt ausreichend trinken, abends aber weniger, um nächtliches Aufstehen zu verringern. Alkohol, Kaffee und kohlensäurehaltige Getränke können den Harndrang verstärken.
- Blase bewusst entleeren: sich Zeit nehmen, im Sitzen urinieren, nach einer kurzen Pause nochmals versuchen („Doppelentleerung“).
- Beckenbodentraining: kann Nachträufeln und Harndrang verbessern und wird auch bei chronischem Beckenschmerz und Inkontinenz eingesetzt, am besten unter physiotherapeutischer Anleitung.
- Bewegung und Gewicht: regelmäßige Bewegung und ein normales Körpergewicht wirken sich günstig auf die Beschwerden aus.
- Ausgewogene Ernährung: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkorn. Kürbiskerne, Tomaten mit Lycopin und Zinkhaltige Lebensmittel passen gut in eine solche Kost; ein Schutz vor Prostataerkrankungen ist damit aber nicht belegt.
- Wärme und Entspannung: bei chronischem Beckenschmerz empfinden viele Männer Wärme, Sitzbäder und Entspannungsverfahren als wohltuend.
- Medikamente prüfen lassen: Manche Arzneimittel, etwa bestimmte Erkältungsmittel, Antihistaminika oder Antidepressiva, können das Wasserlassen erschweren.
Wann zum Arzt?
Gehen Sie sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme, wenn:
- Sie trotz voller Blase kein Wasser lassen können (Harnverhalt),
- Fieber und Schüttelfrost zusammen mit Schmerzen beim Wasserlassen oder im Dammbereich auftreten.
Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie Blut im Urin oder Sperma, neu auftretende oder zunehmende Beschwerden beim Wasserlassen, wiederkehrende Harnwegsinfekte sowie Schmerzen im Becken, die länger als einige Wochen anhalten. Erektionsprobleme können ebenfalls mit Prostataerkrankungen zusammenhängen, mehr dazu unter Impotenz und Libido.
Wie wird die Prostata untersucht?
Am Anfang stehen ein Gespräch über die Beschwerden, oft mit einem standardisierten Fragebogen, eine Urinuntersuchung und die Tastuntersuchung über den Enddarm. Ergänzend kommen eine Ultraschalluntersuchung von Prostata und Blase mit Messung des Restharns, eine Harnstrahlmessung und die Bestimmung des PSA-Werts im Blut hinzu. Ein erhöhter PSA-Wert ist nicht gleichbedeutend mit Krebs – er kann auch bei Vergrößerung oder Entzündung steigen. Bei Krebsverdacht folgen meist eine MRT-Untersuchung und gegebenenfalls eine Gewebeentnahme. Ob und ab wann eine PSA-gestützte Früherkennung sinnvoll ist, sollten Männer – meist ab etwa 45 Jahren, bei familiärer Belastung früher – nach Aufklärung über Vor- und Nachteile gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt entscheiden.
Wann ist eine Operation nötig?
Bei der gutartigen Prostatavergrößerung stehen zunächst Abwarten mit Kontrollen und Medikamente im Vordergrund, etwa Wirkstoffe, die die Muskulatur von Prostata und Blasenhals entspannen, oder solche, die das Prostatawachstum hemmen. Eine Operation wird empfohlen, wenn Medikamente nicht ausreichen oder Komplikationen auftreten, zum Beispiel wiederholter Harnverhalt, Blasensteine, wiederkehrende Infekte, Blutungen oder eine Schädigung der Nieren. Häufige Verfahren sind die Ausschälung von Gewebe durch die Harnröhre (transurethrale Resektion) und Laserverfahren; daneben gibt es neuere, schonendere Methoden. Die Wahl hängt von Prostatagröße, Gesundheitszustand und persönlichen Wünschen ab, etwa zum Erhalt des Samenergusses. Die Behandlung von Prostatakrebs – von aktiver Überwachung bis zu Operation oder Bestrahlung – wird individuell im Fachzentrum geplant.
Häufige Fragen und Antworten
-
Welche Symptome sind typisch für Prostatabeschwerden?
Typisch sind häufiger Harndrang auch nachts, ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, Nachträufeln und das Gefühl unvollständiger Blasenentleerung. Bei einer Entzündung kommen Schmerzen im Damm, Becken oder beim Wasserlassen hinzu, bei akuter Prostatitis auch Fieber und Schüttelfrost. -
Wie können Naturheilmittel bei Prostatabeschwerden helfen?
Sägepalme, Kürbissamen, Brennnesselwurzel und Weidenröschen sind von der EMA bei Beschwerden beim Wasserlassen infolge einer gutartigen Prostatavergrößerung eingestuft, meist als traditionelle Arzneimittel. Studien zeigen nur einen geringen Nutzen. Sie verkleinern die Prostata nicht, helfen nicht gegen eine bakterielle Entzündung und ersetzen keine ärztliche Abklärung. -
Wie oft sollte man sich auf Prostataerkrankungen untersuchen lassen?
Wann und wie oft eine Früherkennung sinnvoll ist, sollten Männer meist ab etwa 45 Jahren, bei Prostatakrebs in der Familie früher, mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen – einschließlich der Vor- und Nachteile des PSA-Tests. Beschwerden beim Wasserlassen sollten unabhängig vom Alter abgeklärt werden. -
Was kann man zur Vorbeugung von Prostatabeschwerden tun?
Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und regelmäßige Untersuchungen können das Risiko reduzieren.
Quellen und weiterführende Informationen
- Arnold MJ et al. (2023): Benign Prostatic Hyperplasia: Rapid Evidence Review. Am Fam Physician 107(6):613-622. -> PubMed PMID 37327163
- Wikipedia: Prostata
- Wikipedia (EN): Prostate (EN)
- NCBI Bookshelf (StatPearls): Benign Prostatic Hyperplasia
- PMC: Management and Treatment of Benign Prostatic Hyperplasia Symptoms – Current Insights
- PMC: Pharmacological Approaches in Managing Symptomatic Relief of BPH – A Review
- PMC: Inflammation and Benign Prostatic Hyperplasia
- Franco JVA et al. (2024): Serenoa repens for the Treatment of Lower Urinary Tract Symptoms Due to Benign Prostatic Enlargement: An Updated Cochrane Review – PMC11216968
- European Medicines Agency (EMA): Sabalis serrulatae fructus (Sägepalmenfrüchte) – EU-Pflanzenmonographie
- European Medicines Agency (EMA): Cucurbitae semen (Kürbissamen) – EU-Pflanzenmonographie
- European Medicines Agency (EMA): Urticae radix (Brennnesselwurzel) – EU-Pflanzenmonographie
- European Medicines Agency (EMA): Epilobii herba (Weidenröschenkraut) – EU-Pflanzenmonographie
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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