Mate: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Botanik und Beschreibung
Mate (auch Yerba Mate, Matetee oder Paraguay-Tee) wird aus den Blättern des Matestrauchs (Ilex paraguariensis A. St.-Hil.) gewonnen. Die Pflanze gehört zur Familie der Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae) und ist damit eine Verwandte der heimischen Stechpalme – mit dem Teestrauch, aus dem Schwarz- und grüner Tee stammen, ist sie nicht verwandt.
Der Matestrauch ist ein immergrüner Baum, der in der Natur beachtliche Höhen erreicht, in Kultur aber durch regelmäßigen Schnitt strauchförmig gehalten wird. Er trägt ledrige, eiförmige Blätter mit fein gezähntem Rand, kleine weiße Blüten und rötliche bis dunkle Steinfrüchte. Seine Heimat sind die subtropischen Wälder im Einzugsgebiet der Flüsse Paraná und Paraguay – im heutigen Paraguay, im Süden Brasiliens, im Nordosten Argentiniens und in Uruguay. Dort wird Mate bis heute in großem Umfang angebaut.
Für den Mate werden Blätter und junge Zweige geerntet und zunächst kurz über offenem Feuer oder heißer Luft erhitzt. Dieser Schritt stoppt die Enzymtätigkeit und bewahrt die grüne Farbe. Danach werden die Blätter getrocknet, zerkleinert und teils monatelang gelagert. So entsteht der klassische grüne Mate. Daneben gibt es gerösteten Mate mit dunklerer Farbe und milderem, malzigem Geschmack. Grüner Mate schmeckt herb, grasig und leicht bitter, mit rauchigen Noten, wenn über Holzfeuer getrocknet wurde.
Inhaltsstoffe
- Purinalkaloide: vor allem Koffein (früher als „Matein“ bezeichnet, chemisch jedoch identisch), daneben Theobromin und Spuren von Theophyllin. Der Koffeingehalt schwankt stark je nach Herkunft, Verarbeitung und Zubereitung.
- Phenolische Verbindungen: Mate ist besonders reich an Chlorogensäuren (Kaffeoylchinasäuren), außerdem enthält er Flavonoide wie Rutin und Quercetin. Sie sind für die hohe antioxidative Kapazität im Labor verantwortlich.
- Saponine: Triterpensaponine, die sogenannten Matesaponine, tragen zum bitteren Geschmack und zur leichten Schaumbildung bei.
- Mineralstoffe: unter anderem Kalium, Magnesium und Mangan.
Vitamin C, das dem Mate oft zugeschrieben wird, spielt in den getrockneten Blättern praktisch keine Rolle. Werden die Blätter über Holzfeuer getrocknet, können sie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) aus dem Rauch aufnehmen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur verlangt deshalb für Arzneimittel eine Kontrolle dieser Stoffe.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Müdigkeit und Schwächegefühl – traditionell bei Erschöpfung; von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt (siehe Müdigkeit).
- Durchspülung der Harnwege – traditionell harntreibend als unterstützende Maßnahme bei leichten Harnwegsbeschwerden (EMA anerkannt).
- Wachheit und Konzentration – durch das Koffein wirkt Mate anregend; das ist eine gut bekannte Koffeinwirkung.
- Blutfette und Herz-Kreislauf – in einzelnen Studien Hinweise auf günstige Effekte auf Cholesterin, Blutdruck und Entzündungswerte; die Datenlage ist begrenzt.
- Körpergewicht – in kleinen Studien Hinweise auf eine leichte Abnahme des Körperfettanteils; kein Ersatz für Ernährungsumstellung und Bewegung.
- Antioxidative Eigenschaften – im Labor deutlich nachweisbar; ob daraus ein gesundheitlicher Nutzen entsteht, ist offen.
Mate bei Müdigkeit und Erschöpfung
Die bekannteste Wirkung des Mate beruht auf dem Koffein. Es blockiert im Gehirn Rezeptoren für den Botenstoff Adenosin, der Müdigkeit signalisiert, und steigert so Wachheit und Aufmerksamkeit. Viele Mate-Trinker beschreiben die Wirkung als gleichmäßiger und sanfter als bei Kaffee. Ob das an den übrigen Inhaltsstoffen oder an der Art des Trinkens – langsam, über längere Zeit verteilt – liegt, ist nicht geklärt. Die EMA hat Mateblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel „bei Müdigkeit und Schwächegefühl“ eingestuft. Diese Einstufung beruht auf der langjährigen Verwendung, nicht auf klinischen Studien. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden (siehe auch Konzentrationsschwäche).
Mate, Herz und Stoffwechsel
In einer randomisierten Crossover-Studie von Bravo und Kollegen (2025) tranken gesunde Personen und Personen mit erhöhtem Cholesterin acht Wochen lang dreimal täglich Mate. Blutdruck und mehrere Entzündungsmarker sanken; das LDL-Cholesterin ging bei den Teilnehmenden mit normalen Werten zurück. Eine koreanische Studie von Kim und Kollegen (2015) mit Mate-Extrakt beobachtete bei übergewichtigen Erwachsenen nach zwölf Wochen eine geringe Abnahme von Körperfett und Taillen-Hüft-Verhältnis. Die Studien sind jedoch klein und kurz. Mate kann eine ausgewogene Lebensweise begleiten, aber weder eine ärztliche Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch ein durchdachtes Konzept zum Abnehmen ersetzen. Aussagen, Mate „kurble den Stoffwechsel an“ oder „verbrenne Fett“, gehen über die Studienlage hinaus.
Immunsystem und Verdauung
Mate wird häufig nachgesagt, das Immunsystem zu stärken und vor Infektionen zu schützen. Dafür gibt es beim Menschen keine verlässlichen Belege. Auch eine abführende Wirkung bei Verstopfung ist nicht belegt; die anregende Wirkung warmer, koffeinhaltiger Getränke auf den Darm kennen manche Menschen aber auch von Kaffee. Bei empfindlichem Magen kann Mate Verdauungsbeschwerden eher verstärken.
Anwendung und Dosierung
- Teeaufguss (EMA-Monographie): Bei Müdigkeit und Schwächegefühl nennt die Monographie für Erwachsene eine Tagesmenge von 2 bis 4 g zerkleinerten Mateblättern, verteilt auf drei Tassen zu je etwa 1 g; zur Durchspülung der Harnwege 2,5 bis 5 g täglich, verteilt auf ein bis zwei Tassen zu je etwa 2,5 g, mit reichlich Flüssigkeit.
- Zubereitung als Tee: Mit heißem, aber nicht mehr kochendem Wasser übergießen und einige Minuten ziehen lassen. Vor dem Trinken etwas abkühlen lassen.
- Traditionell: In Südamerika wird ein Gefäß (die „Kalebasse“, ursprünglich ein ausgehöhlter Flaschenkürbis) zu einem großen Teil mit Mate gefüllt, mit warmem Wasser aufgegossen und durch ein Metallröhrchen mit Siebende, die „Bombilla“, getrunken. Das Gefäß wird mehrfach nachgefüllt.
- Kalt: In Paraguay ist Mate mit kaltem Wasser oder Fruchtsaft als „Tereré“ verbreitet.
- Tageszeit: Wegen des Koffeins nicht am Abend trinken.
- Kinder und Jugendliche: Die EMA empfiehlt die Anwendung unter 18 Jahren mangels Daten nicht.
Geschichte und Überlieferungen
Lange vor der Ankunft der Europäer tranken die Guaraní, ein indigenes Volk im heutigen Paraguay und Südbrasilien, einen Aufguss aus den Blättern des Matestrauchs. Das Wort „Mate“ stammt aus dem Quechua und bezeichnete ursprünglich das Trinkgefäß aus Kürbis, nicht die Pflanze. Im 17. Jahrhundert begannen Jesuiten in ihren Missionssiedlungen (Reduktionen), den Matestrauch gezielt anzubauen – daher stammt auch die alte Bezeichnung „Jesuitentee“. Die wissenschaftliche Beschreibung als Ilex paraguariensis geht auf den französischen Botaniker Auguste de Saint-Hilaire im 19. Jahrhundert zurück, dessen Name im Kürzel „A. St.-Hil.“ fortlebt.
In Argentinien, Uruguay, Paraguay und Südbrasilien ist Mate bis heute weit mehr als ein Getränk. Das gemeinsame Trinken aus einer Kalebasse, die im Kreis weitergereicht wird, gilt als Zeichen von Gastfreundschaft und Gemeinschaft; in Brasilien heißt diese Form „Chimarrão“. In Europa wurde Mate im 20. Jahrhundert vor allem als Kaffee-Ersatz und Schlankheitstee bekannt, heute auch als Bestandteil koffeinhaltiger Erfrischungsgetränke.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Gegenanzeigen laut EMA: Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenüberfunktion sowie Zustände, bei denen weniger getrunken werden soll.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Laut EMA-Monographie zu meiden. Wer dennoch koffeinhaltige Getränke trinkt, sollte die Koffeinmenge insgesamt niedrig halten; die EFSA hält in der Schwangerschaft bis zu 200 mg Koffein pro Tag für unbedenklich, für gesunde Erwachsene bis zu 400 mg.
- Koffeintypische Nebenwirkungen: Nervosität, Unruhe, Herzklopfen, Schlafstörungen und Magenbeschwerden bei zu großen Mengen oder Empfindlichkeit.
- Wechselwirkungen: Koffein schwächt die Wirkung von Beruhigungsmitteln ab und verstärkt Nebenwirkungen von Sympathomimetika (z. B. bestimmten Schnupfen- oder Asthmamitteln). Bei Einnahme von MAO-Hemmern ist Vorsicht geboten. Auch andere koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder Guarana zählen zur Gesamtmenge.
- Nicht zu heiß trinken: Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte 2016 das Trinken sehr heißer Getränke über 65 °C als wahrscheinlich krebserregend für die Speiseröhre ein. Mate, der nicht sehr heiß getrunken wird, wurde dagegen als „nicht einstufbar“ bewertet (Gruppe 3). Als möglicher Grund für das Risiko wird neben der Temperatur auch die PAK-Belastung diskutiert. Lassen Sie Mate daher vor dem Trinken abkühlen.
- Rauchgetrockneter Mate: Wegen möglicher PAK-Belastung ist Ware aus kontrollierter Herstellung oder ohne Rauch getrockneter Mate eine sinnvolle Wahl.
Regulatorische Einordnung in der EU
Für Mateblätter (Mate folium) gibt es eine Monographie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der EMA. Sie erkennt zwei traditionelle Anwendungen an: bei Müdigkeit und Schwächegefühl sowie zur Erhöhung der Harnmenge als unterstützende Durchspülung bei leichten Harnwegsbeschwerden. Als Lebensmittel wird Mate in der EU wie Tee verkauft; Aussagen zu Gewichtsabnahme oder Herzgesundheit sind dafür nicht zugelassen.
Häufige Fragen und Antworten
-
Wie bereitet man Mate-Tee zu?
Traditionell wird eine Kalebasse zu einem großen Teil mit Mate gefüllt, mit warmem, nicht kochendem Wasser aufgegossen und durch ein Metallröhrchen mit Siebende, die Bombilla, getrunken; das Gefäß wird mehrfach nachgefüllt. Als Tee übergießt man die Blätter mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser, lässt sie einige Minuten ziehen und den Aufguss vor dem Trinken etwas abkühlen. -
Hat Mate Koffein?
Ja. Der Gehalt schwankt stark je nach Sorte und Zubereitung; eine Tasse Mate-Tee enthält meist weniger Koffein als eine Tasse Kaffee. Bei der traditionellen Zubereitung mit viel Blattmaterial und mehrfachem Aufgießen kann die Gesamtmenge aber beträchtlich sein. -
Kann Mate beim Abnehmen helfen?
Kleine Studien zeigen Hinweise auf eine leichte Abnahme des Körperfettanteils, die Belege sind jedoch begrenzt. Mate ersetzt weder eine ausgewogene Ernährung noch Bewegung. -
Gibt es Kontraindikationen für Mate?
Ja. Laut EMA-Monographie soll Mate nicht bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenüberfunktion und in Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird er mangels Daten nicht empfohlen; wegen des Koffeins nicht am Abend trinken. -
Woher stammt Mate?
Mate stammt aus den subtropischen Wäldern Südamerikas, insbesondere aus Ländern wie Argentinien, Brasilien und Paraguay. -
Welche Heilwirkung hat Mate?
Mate enthält Koffein und Theobromin und wird traditionell bei Müdigkeit und Erschöpfung getrunken, um Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Außerdem liefert er antioxidative Polyphenole. Sehr heiß getrunken gilt Mate als Risikofaktor für Speiseröhrenkrebs, deshalb sollte er vor dem Trinken etwas abkühlen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Wikipedia (EN): Yerba mate
- PubMed: Yerba Mate Tea (Ilex paraguariensis) – Comprehensive Review on Chemistry and Health (2007)
- PMC: Yerba Mate tea may have cardiometabolic beneficial effects – Randomized Controlled Trial
- PMC: Anti-obesity effects of Yerba Mate – Randomized, double-blind, placebo-controlled trial (2015)
- EMA: Community herbal monograph – Mate folium (Ilex paraguariensis, Mateblätter)
- Loomis D et al. (2016): Carcinogenicity of drinking coffee, mate, and very hot beverages (IARC, PubMed)
- Oranuba E et al. (2019): Polycyclic aromatic hydrocarbons as a potential source of carcinogenicity of mate (PMC)
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
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