Gotu Kola (Tigergras): Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Gotu Kola Tigergras Lexikon Bild

Botanik und Beschreibung

Gotu Kola, auch Tigergras oder Asiatischer Wassernabel genannt (Centella asiatica (L.) Urb., früher Hydrocotyle asiatica), ist eine ausdauernde, niedrig wachsende Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Damit ist sie botanisch mit Petersilie, Fenchel, Sellerie und Karotte verwandt – ein Umstand, der für Allergikerinnen und Allergiker von Bedeutung ist.

Die Pflanze bildet lange, kriechende Ausläufer, die an den Knoten wurzeln und so dichte Teppiche bilden. Die lang gestielten Blätter sind rundlich bis nierenförmig und am Rand gekerbt. Die Blüten sind unscheinbar klein, weißlich bis rötlich und stehen zu wenigen in einfachen Dolden dicht über dem Boden. Gotu Kola wächst bevorzugt an feuchten, schattigen bis halbschattigen Standorten – an Gräben, Teichufern, auf feuchten Wiesen und Reisfeldrändern.

Verbreitet ist die Pflanze in den tropischen und subtropischen Regionen Asiens, etwa in Indien, Sri Lanka, China und Südostasien, außerdem in Teilen Afrikas (unter anderem Madagaskar und Südafrika), in Australien und im Pazifikraum. Der Name „Gotu Kola“ stammt aus dem Singhalesischen, der Sprache Sri Lankas. In Sri Lanka und Südostasien werden die frischen Blätter bis heute als Blattgemüse, Salat oder Getränk verzehrt.

Arzneilich verwendet wird das getrocknete Kraut (Centellae asiaticae herba, deutsch: Asiatisches Wassernabelkraut). Für diese Droge besteht eine Monographie im Europäischen Arzneibuch, die die Qualitätsanforderungen festlegt.

Woher kommt der Name „Tigergras“?

Der Name geht auf eine in Asien verbreitete Erzählung zurück: Verletzte Tiger sollen sich in Beständen der Pflanze gewälzt haben, um ihre Wunden zu versorgen. Ob diese Beobachtung zutrifft, lässt sich nicht belegen – die Geschichte spiegelt aber anschaulich die lange Tradition der Pflanze in der Wundbehandlung wider.

Inhaltsstoffe

Für die Wirkung von Gotu Kola werden vor allem die sogenannten pentazyklischen Triterpene verantwortlich gemacht. Sie gehören teils zu den Saponinen und werden auch als „Centelloide“ zusammengefasst:

  • Asiaticosid und Madecassosid: Triterpen-Glykoside, die als Leitsubstanzen der Pflanze gelten.
  • Asiatsäure und Madecassäure: die zugehörigen Triterpensäuren (Aglykone), die in Laborstudien besonders intensiv untersucht wurden.
  • Flavonoide: unter anderem Abkömmlinge von Quercetin und Kaempferol mit antioxidativen Eigenschaften.
  • Weitere Bestandteile: Polyacetylene, Phytosterole, Gerbstoffe und geringe Mengen ätherisches Öl.

Der Gehalt an Triterpenen schwankt je nach Herkunft, Standort und Erntezeitpunkt erheblich. Untersuchungen und Präparate beziehen sich deshalb häufig auf standardisierte Extrakte oder auf die isolierte Triterpenfraktion – Ergebnisse solcher Zubereitungen lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen einfachen Tee übertragen.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Wundheilung: äußerlich traditionell zur Unterstützung der Heilung kleiner, oberflächlicher Wunden – von der EMA als traditionelle Anwendung anerkannt.
  • Haut und Narbenbildung: in Laborstudien regen die Triterpene die Kollagenbildung an; in der Hautpflege daher bei Narben und strapazierter Haut verbreitet.
  • Venenleiden, Krampfadern und Besenreißer: in kleineren Studien Hinweise auf weniger Schwellung und Schweregefühl bei chronischer Venenschwäche.
  • Konzentration und Gedächtnis: im Ayurveda traditionell als „Gehirntonikum“ verwendet; eine Verbesserung der Gedächtnisleistung ist in Studien bislang nicht belegt.
  • Angstzustände und Stress: traditionell zur Entspannung genutzt; erste kleine Studien liefern vorläufige Hinweise auf eine beruhigende Wirkung.
  • Entzündungen und Gelenkschmerzen: volksmedizinisch verwendet; entzündungshemmende Effekte sind bisher vor allem im Labor und Tierversuch beschrieben.

Wundheilung und Haut

Die Wundheilung ist das am besten abgesicherte Anwendungsgebiet. Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat Asiatisches Wassernabelkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Unterstützung der Heilung kleiner Wunden eingestuft – ausschließlich zur äußerlichen Anwendung und auf Grundlage der langjährigen Verwendung, nicht klinisch nachgewiesener Wirksamkeit. In Zell- und Tierversuchen fördern Asiaticosid und Asiatsäure die Bildung von Kollagen in Bindegewebszellen und die Neubildung von Hautgewebe. Bei größeren, tiefen, verschmutzten oder entzündeten Wunden sowie bei Verbrennungen gehört die Behandlung in ärztliche Hände.

Venenschwäche

Mehrere, überwiegend italienische Studien haben eine standardisierte Triterpenfraktion aus Centella bei chronischer Venenschwäche untersucht. Eine systematische Übersichtsarbeit (Chong und Aziz, 2013) fand Verbesserungen bei Mikrozirkulation, Knöchelschwellung, Schweregefühl und Schmerzen in den Beinen, wertete die Aussagekraft wegen methodischer Mängel der Einzelstudien aber ausdrücklich als eingeschränkt. Bei Venenbeschwerden werden in Europa vor allem Rosskastanie und Rotes Weinlaub eingesetzt, für die EMA-Monographien zur innerlichen Anwendung bestehen.

Wirkung auf Gehirn und Psyche

Gotu Kola wird häufig als Mittel für Gedächtnis und Konzentration beschrieben. Eine Meta-Analyse randomisierter Studien (Puttarak und Mitarbeitende, 2017) fand jedoch keine signifikante Verbesserung in den untersuchten Bereichen der geistigen Leistungsfähigkeit gegenüber Placebo. Lediglich kurzfristig zeigten sich Hinweise auf mehr Wachheit und weniger Ärger. Zur Psyche liegt eine kleine placebokontrollierte Studie an 40 gesunden Erwachsenen vor (Bradwejn und Mitarbeitende, 2000): Eine Einzeldosis von 12 Gramm verringerte die Schreckreaktion auf laute Geräusche, die selbst eingeschätzte Stimmung veränderte sich jedoch nicht. Das sind vorläufige Hinweise, keine belegte Wirkung gegen Angststörungen. Wer unter anhaltender Angst, Niedergeschlagenheit oder Erschöpfung leidet, sollte ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe suchen. Eine andere ayurvedische Pflanze mit ähnlichem Ruf ist Bacopa monnieri.

Wirkt Gotu Kola auf Leber oder Haare?

In Tierversuchen wurden für Centella-Extrakte teils leberschützende Effekte beschrieben. Beim Menschen ist das nicht belegt – im Gegenteil: Es gibt Fallberichte über Leberentzündungen nach der Einnahme (siehe Gegenanzeigen). Auch für eine Wirkung auf Haarwachstum oder Haarausfall fehlen aussagekräftige Studien; Centella-Extrakte werden in Haarpflegeprodukten vor allem wegen ihrer pflegenden Eigenschaften für die Kopfhaut eingesetzt.

Anwendung und Dosierung

  • Äußerlich (EMA-Monographie): Für Erwachsene einzeln 0,6 g des zerkleinerten Krauts mit wenig kochendem Wasser übergießen; der noch warme Aufguss wird als Umschlag dreimal täglich auf die betroffene Stelle aufgelegt (Tagesdosis 1,8 g). Alternativ 0,6 g des gepulverten Krauts dreimal täglich als Puder. Nicht länger als eine Woche anwenden; bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden ärztlich abklären.
  • Cremes und Salben: Centella-Extrakte sind ein verbreiteter Bestandteil von Hautpflege- und Narbenpflegeprodukten. Anwendung nach Packungsbeilage beziehungsweise Gebrauchsanweisung.
  • Innerlich (Tee, Tinktur, Extrakt): Für die innerliche Anwendung gibt es keine EMA-Monographie und damit keine anerkannte Dosierung. Präparate nur nach Packungsbeilage verwenden, nicht dauerhaft und nicht über der angegebenen Menge.
  • Als Lebensmittel: In asiatischen Küchen werden die frischen Blätter in üblichen Speisemengen gegessen – das ist von der Einnahme konzentrierter Extrakte zu unterscheiden.

Geschichte und Überlieferungen

Gotu Kola gehört zu den bedeutenden Pflanzen der ayurvedischen Medizin Indiens und Sri Lankas, wo sie unter dem Sanskrit-Namen „Mandukaparni“ geführt wird. Sie galt dort als verjüngendes Mittel (Rasayana) und als Stärkungsmittel für Geist und Gedächtnis. In manchen Regionen Indiens wird sie ebenfalls „Brahmi“ genannt – ein Name, der eigentlich für Bacopa monnieri steht und bis heute zu Verwechslungen führt.

Auch in der traditionellen chinesischen Medizin und in den Heilkundetraditionen Südostasiens und Afrikas ist die Pflanze seit Langem bekannt, unter anderem bei Hautleiden und Wunden. Im 20. Jahrhundert wurden die Triterpene isoliert, und Zubereitungen aus Centella fanden Eingang in die europäische Wundbehandlung und Hautpflege.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Ist Gotu Kola gefährlich?

Äußerlich angewendet gilt Gotu Kola als gut verträglich; die EMA-Monographie nennt keine bekannten Nebenwirkungen. Bei der innerlichen Einnahme konzentrierter Präparate sind jedoch einige Risiken zu beachten:

  • Leber: Es sind Fälle von Leberentzündung mit Gelbsucht nach mehrwöchiger Einnahme von Centella beschrieben (Jorge und Jorge, 2005, drei Patientinnen); nach dem Absetzen besserte sich der Zustand, bei erneuter Einnahme trat der Schaden wieder auf. Bei Lebererkrankungen, regelmäßigem Alkoholkonsum oder leberbelastenden Medikamenten auf die Einnahme verzichten. Bei Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin, Oberbauchschmerzen oder ungewöhnlicher Müdigkeit sofort absetzen und ärztlich abklären lassen.
  • Allergien: Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegen Centella oder andere Doldenblütler (zum Beispiel Sellerie, Fenchel, Karotte). Nach äußerlicher Anwendung von Centella-Extrakten sind vereinzelt allergische Kontaktekzeme beschrieben.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit ist nicht belegt; die Anwendung wird nicht empfohlen.
  • Kinder und Jugendliche: Für unter 18-Jährige fehlen ausreichende Daten; die Anwendung wird nicht empfohlen.
  • Magen-Darm: Bei innerlicher Einnahme können gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden auftreten.
  • Wechselwirkungen: Für die äußerliche Anwendung sind keine Wechselwirkungen bekannt. Für die Einnahme fehlen systematische Untersuchungen. Wer Medikamente einnimmt – insbesondere Beruhigungs- oder Schlafmittel, Arzneimittel, die die Leber belasten können –, sollte die Einnahme vorher ärztlich oder in der Apotheke besprechen.

Regulatorische Einordnung in der EU

  • EMA/HMPC-Monographie: Für Asiatisches Wassernabelkraut besteht eine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (erstmals 2010, überarbeitet 2022). Anerkannt ist ausschließlich die traditionelle äußerliche Anwendung zur Unterstützung der Heilung kleiner Wunden, nicht die innerliche Einnahme.
  • Europäisches Arzneibuch: Die Droge ist im Europäischen Arzneibuch beschrieben.
  • Health Claims: Für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel mit Centella ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Aussagen zu Gedächtnis, Venen oder Stress dürfen daher bei solchen Produkten nicht beworben werden.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Wie sollte Gotu Kola eingenommen werden?
    Die Dosierung kann je nach Produkt variieren. Es ist wichtig, die Anweisungen auf der Verpackung zu befolgen oder einen Arzt oder Kräuterkundigen zu konsultieren.
  2. Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
    Gotu Kola kann mit bestimmten Medikamenten interagieren, insbesondere solchen, die die Leber beeinflussen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie andere Medikamente einnehmen.
  3. Kann Gotu Kola tatsächlich das Gedächtnis verbessern?
    Es gibt einige Hinweise darauf, dass Gotu Kola die kognitiven Funktionen verbessern kann, aber weitere Forschung ist erforderlich, um dies zu bestätigen.
  4. Gibt es spezielle Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung von Gotu Kola?
    Wie bereits erwähnt, sollten schwangere oder stillende Frauen Gotu Kola vermeiden. Personen mit Lebererkrankungen oder anderen Gesundheitsproblemen sollten ebenfalls ihren Arzt konsultieren.
  5. Ist Gotu Kola gefährlich?
    In üblichen Mengen gilt Gotu Kola als gut verträglich. In Einzelfällen wurden Leberschäden nach Einnahme hoch dosierter Präparate beschrieben, deshalb sollten Menschen mit Lebererkrankungen sowie Schwangere und Stillende darauf verzichten. Gotu Kola sollte nicht dauerhaft ohne Pause eingenommen werden.
  6. Welche Wirkung hat Gotu Kola auf die Psyche?
    Im Ayurveda gilt Gotu Kola als Pflanze für Geist und Nerven. Sie wird eingesetzt, um Konzentration und Gedächtnis zu unterstützen und innere Unruhe zu mildern. Erste Studien deuten auf eine angstlösende Wirkung hin.
  7. Wirkt Gotu Kola auf die Leber?
    Gotu Kola wird traditionell auch zur Unterstützung der Leber genutzt. In seltenen Fällen wurden bei hochdosierter Einnahme jedoch Leberbeschwerden berichtet. Menschen mit Lebererkrankungen sollten die Einnahme daher ärztlich abklären.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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