Bergamotte: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Botanik und Beschreibung
Die Bergamotte (Citrus bergamia, auch Citrus × limon ssp. bergamia) ist eine Zitruspflanze aus der Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Sie gilt als natürliche Kreuzung, an der nach heutigem Wissen die Bitterorange (Pomeranze) und die Zitrone beteiligt sind. Der kleine, immergrüne Baum trägt duftende weiße Blüten und runde bis leicht birnenförmige Früchte, die zunächst grün sind und bei Reife gelb werden.
Angebaut wird die Bergamotte fast ausschließlich an einem schmalen Küstenstreifen in Kalabrien rund um Reggio Calabria in Süditalien; von dort stammt der weitaus größte Teil des weltweit gehandelten Bergamotteöls. Das Fruchtfleisch ist sehr sauer und bitter und wird nicht roh gegessen. Verwendet werden vor allem die Schale, aus der das ätherische Öl gepresst wird, sowie Saft und Extrakte der Frucht.
Verwechslungsgefahr: Mit „Bergamotte“ werden auch ganz andere Pflanzen bezeichnet – etwa die Indianernessel (Monarda, englisch „wild bergamot“) aus der Familie der Lippenblütler oder die Bergamotte-Birne. Die folgenden Angaben beziehen sich ausschließlich auf die Zitrusfrucht Citrus bergamia.
Inhaltsstoffe
Bei der Bergamotte ist es wichtig, zwischen dem ätherischen Öl aus der Schale und den Extrakten aus Saft und Frucht zu unterscheiden – sie enthalten unterschiedliche Wirkstoffe und werden unterschiedlich angewendet.
Ätherisches Öl (Schale)
- Hauptbestandteile: Limonen, Linalylacetat und Linalool – sie prägen den frischen, leicht blumigen Duft. Mehr zu dieser Stoffgruppe unter Ätherische Öle.
- Furocumarine: vor allem Bergapten (5-Methoxypsoralen) sowie Bergamottin. Bergapten macht die Haut lichtempfindlich. Für Kosmetik und Aromatherapie wird deshalb häufig ein bergaptenfreies bzw. furocumarinfreies Öl verwendet.
Saft und Fruchtextrakt
- Flavonoide: reichlich Flavanone wie Naringin, Neohesperidin und Neoeriocitrin.
- Besondere Flavanone (Brutieridin, Melitidin), denen im Labor eine Hemmung der körpereigenen Cholesterinbildung zugeschrieben wird.
- Vitamin C und organische Säuren.
Der Unterschied ist auch für die häufig gestellte Frage wichtig, ob „Citrus Bergamot“ dasselbe ist wie Bergamotteöl: Nahrungsergänzungsmittel unter diesem Namen enthalten in der Regel einen Polyphenol-Extrakt aus Saft oder Frucht, nicht das ätherische Öl.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Stressreduktion: Der Duft des Öls wird in der Aromatherapie zur Entspannung genutzt; kleine Studien zeigen kurzfristige Effekte auf Stimmung und Stressparameter.
- Blutfette: Polyphenol-Extrakte aus der Frucht senkten in mehreren, meist kleinen Studien das LDL-Cholesterin; die Qualität der Belege ist niedrig.
- Akne und Ekzeme: Bergamotteöl wird traditionell in Hautpflegeprodukten verwendet; wegen der Lichtempfindlichkeit und des Allergiepotenzials ist bei gereizter Haut Vorsicht geboten.
- Verdauungsförderung: Volksmedizinisch bei Blähungen und Völlegefühl verwendet; wissenschaftliche Belege fehlen.
- Antioxidative Eigenschaften: Die Flavonoide der Frucht wirken im Labor antioxidativ.
- Entzündungshemmung: Entzündungshemmende Effekte von Öl und Extrakten sind vor allem aus Labor- und Tierversuchen beschrieben.
Bergamotte in der Aromatherapie: Wirkung auf Psyche und Schlaf
In der Aromatherapie gilt Bergamotteöl als ausgleichender, stimmungsaufhellender Duft und wird bei Anspannung, Ängstlichkeit und gedrückter Stimmung eingesetzt. Einige kleine Studien stützen das: In einer japanischen Untersuchung mit 41 gesunden Frauen (Watanabe und Mitarbeiter, 2015) senkte das 15-minütige Einatmen von Bergamotteöl mit Wasserdampf den Cortisolspiegel im Speichel und verbesserte negative Gefühle und Müdigkeit. In einer Pilotstudie im Wartezimmer eines psychiatrischen Behandlungszentrums berichteten Teilnehmende nach dem Einatmen über mehr positive Gefühle.
Für den Schlaf wird Bergamotte häufig in Duftmischungen, etwa mit Lavendel, verwendet. Eigene, aussagekräftige Studien zur Wirkung auf den Schlaf fehlen. Duftanwendungen können das Wohlbefinden unterstützen, ersetzen aber keine Behandlung von Angststörungen, einer Depression oder anhaltender Schlafstörungen.
Bergamotte und Cholesterin
Am besten untersucht ist der Einsatz von Polyphenol-Extrakten aus der Frucht bei erhöhten Blutfetten. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 fasste neun randomisierte Studien mit insgesamt 615 Teilnehmenden zusammen und fand Senkungen von LDL-Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck. Die Autoren bewerteten die Vertrauenswürdigkeit der Belege jedoch als niedrig bis sehr niedrig, weil viele Studien klein und methodisch schwach waren. Bergamotte-Extrakte sind daher kein Ersatz für ärztlich verordnete Cholesterinsenker. Allgemeine Maßnahmen finden Sie unter Cholesterin natürlich senken.
Wirkt Bergamotte auf die Blase?
In manchen volksmedizinischen Quellen wird Bergamotte mit Harnwegsbeschwerden in Verbindung gebracht. Belastbare Belege für eine Wirkung bei Blasenentzündung gibt es nicht. Brennen beim Wasserlassen, Fieber oder Blut im Harn gehören ärztlich abgeklärt (siehe Blasenentzündung).
Anwendung und Dosierung
- Raumbeduftung: Einige Tropfen des ätherischen Öls in einer Duftlampe oder einem Diffuser; Räume regelmäßig lüften.
- Massage- und Badeöl: Ätherisches Öl nie unverdünnt auf die Haut auftragen, sondern stark verdünnt in einem fetten Pflanzenöl oder einem Emulgator für das Bad. Für die Anwendung auf der Haut bergaptenfreies Öl bevorzugen und die behandelten Stellen mindestens zwölf Stunden nicht der Sonne aussetzen.
- Innerlich: Ätherisches Bergamotteöl ist nicht zur Einnahme bestimmt. Als Aroma in Lebensmitteln, etwa im Earl-Grey-Tee, ist es nur in sehr kleinen Mengen enthalten.
- Extrakte als Nahrungsergänzung: nach Packungsbeilage; die angegebene Tagesmenge nicht überschreiten.
Geschichte und Überlieferungen
Die genaue Herkunft der Bergamotte ist ungeklärt. Für den Namen gibt es zwei Erklärungen: Er könnte auf die Stadt Bergamo in der Lombardei zurückgehen oder auf das türkische „beg armudi“ („Birne des Herrn“), das auf die birnenähnliche Fruchtform anspielt. Ihre eigentliche Heimat fand die Pflanze in Kalabrien, wo das milde Küstenklima ideale Bedingungen bietet.
Berühmt wurde die Bergamotte durch die Parfümerie: Ihr Öl ist ein klassischer Bestandteil des „Eau de Cologne“, das im 18. Jahrhundert in Köln seinen Siegeszug antrat, und gehört bis heute zu den wichtigsten Rohstoffen der Duftindustrie. Im 19. Jahrhundert kam der mit Bergamotteöl aromatisierte Schwarztee unter dem Namen Earl Grey in Mode.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Lichtempfindlichkeit (Phototoxizität): Bergapten kann zusammen mit Sonnenlicht oder UV-Strahlung zu Rötungen, Blasen und anhaltenden bräunlichen Pigmentflecken führen. Diese Hautreaktion ist nach Parfüms mit Bergamotteöl als „Berloque-Dermatitis“ bekannt. Vor Sonnenbad oder Solarium daher kein bergaptenhaltiges Öl auf die Haut auftragen; bei Neigung zur Sonnenallergie besonders vorsichtig sein.
- Kontaktallergie: Limonen und Linalool können – vor allem wenn das Öl durch Licht und Luft gealtert und oxidiert ist – Kontaktallergien auslösen. Öl kühl, dunkel und gut verschlossen lagern, vor der ersten Anwendung an einer kleinen Hautstelle testen und bei bekannter Allergie gegen Zitrusfrüchte oder Duftstoffe meiden.
- Große Mengen Earl-Grey-Tee: Ein Fallbericht (Finsterer, 2002) beschreibt Muskelkrämpfe bei einem Mann, der täglich mehrere Liter Earl-Grey-Tee trank; als Ursache wurde Bergapten vermutet. In üblichen Mengen ist Earl Grey unbedenklich.
- Wechselwirkungen: Bergamottin hemmt – wie in der Grapefruit – ein Enzym, das viele Arzneimittel abbaut. Ob Bergamotte-Präparate dadurch relevant wechselwirken, ist kaum untersucht. Wer Cholesterinsenker, Blutdruck- oder Blutzuckermedikamente oder lichtsensibilisierende Arzneimittel einnimmt, sollte Bergamotte-Extrakte nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke verwenden.
- Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder: Ätherische Öle nur zurückhaltend und nach Rücksprache verwenden; bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Gesichtsbereich anwenden. Für Bergamotte-Extrakte als Nahrungsergänzung fehlen Sicherheitsdaten in Schwangerschaft und Stillzeit.
- Haustiere: Ätherische Öle können für Katzen schädlich sein; bei der Raumbeduftung Rücksicht nehmen.
Häufige Fragen und Antworten
-
Kann Bergamotteöl bei Schlafstörungen helfen?
Ja, Bergamotteöl kann in der Aromatherapie zur Förderung eines besseren Schlafs verwendet werden. -
Welche anderen Zitrusfrüchte sind mit Bergamotte verwandt?
Bergamotte ist eng mit der Limette verwandt. -
Gibt es Wechselwirkungen von Bergamotteöl mit Medikamenten?
Bergamotteöl kann Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten haben. Konsultieren Sie einen Arzt, wenn Sie Medikamente einnehmen. -
Kann Bergamotteöl innerlich eingenommen werden?
Die innerliche Anwendung von Bergamotteöl sollte nur unter Anleitung eines Fachmanns erfolgen. -
Ist Citrus Bergamot dasselbe wie Bergamotteöl?
Nein. Citrus-Bergamot-Extrakt wird aus Saft und Fruchtfleisch gewonnen, ist reich an Polyphenolen und wird als Nahrungsergänzung im Zusammenhang mit dem Cholesterinspiegel untersucht. Bergamotteöl ist dagegen das ätherische Öl aus der Schale, das in Duftlampen, Parfüms und der Aromatherapie verwendet und nicht eingenommen wird.
-
Welche Nebenwirkungen hat Bergamotte?
Bergamottöl enthält Bergapten, das die Haut lichtempfindlich macht. Nach dem Auftragen sollte die Haut daher mehrere Stunden nicht der Sonne ausgesetzt werden. Bergamotte-Extrakt kann mit cholesterin- und blutzuckersenkenden Medikamenten wechselwirken. -
Wie wirkt Bergamotte in der Aromatherapie?
Der frische, blumige Duft des Bergamottöls wirkt stimmungsaufhellend und entspannend. In der Duftlampe oder Massageölmischungen wird es bei Anspannung, Nervosität und gedrückter Stimmung eingesetzt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Mazzola G et al. (2024): Bergamot (Citrus bergamia), a (Poly)Phenol-Rich Source for Improving Osteosarcopenic Obesity: A Systematic Review. Foods 13(21). → PubMed PMID 39517207
- Wikipedia (EN): Bergamot orange (EN)
- PubMed: Bergamot Reduces Plasma Lipids and Subclinical Atherosclerosis in Moderate Hypercholesterolemia (2016)
- PMC: Bergamot phytosome improved visceral fat and plasma lipid profiles – randomized placebo-controlled trial (2021)
- PMC: Nutraceutical Value of Citrus Flavanones and Their Implications in Cardiovascular Disease (Review)
- PMC: Unveiling the Power of Bergamot – Beyond Lipid-Lowering Effects (Review)
- Watanabe E et al. (2015): Effects of bergamot (Citrus bergamia) essential oil aromatherapy on mood states, parasympathetic nervous system activity, and salivary cortisol levels in 41 healthy females
- Han X et al. (2017): Bergamot essential oil inhalation improves positive feelings in the waiting room of a mental health treatment center – pilot study (PMC)
- Chambari M et al. (2026): Bergamot (Citrus bergamia) supplementation and cardiovascular disease risk factors – systematic review and meta-analysis (PMC)
- Finsterer J (2002): Earl Grey tea intoxication
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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